Eiserne Fitness und voller Fokus

Eiserne Fitness trifft auf fahrerisches Naturtalent: Noah Ludwig ist bereit für den Dortmunder Hexenkessel. Nach einer beeindruckenden Masters-Saison, in der er sich mit seinem Sieg in Mölln endgültig in der deutschen Spitze etabliert hat, will der KTM-Sarholz-Pilot nun auch in der Westfalenhalle für Furore sorgen. Wir haben mit dem ehrgeizigen Youngster über seinen Kaltstart in die Supercross-Saison, die Bedeutung eines familiären Teams und seinen Kampf mit dem berüchtigten Waschbrett gesprochen.

Noah, blicken wir erst einmal kurz zurück. Du hast eine extrem starke Masters-Saison hinter dir und konntest dich konstant in den Top-Rängen festsetzen. Was war dabei dein ganz persönliches Highlight?

Mein Highlight war auf jeden Fall der Masters-Sieg in Mölln. Das war mein erstes Podium in dieser Klasse und ich habe dort auch direkt die Gesamtwertung gewonnen. Ein weiterer wichtiger Moment war für mich Fürstlich Drehna, als ich den dritten Lauf gewinnen konnte. Das war mein allererster Laufsieg überhaupt bei den Masters. Diese Erfolge haben mir gezeigt, dass ich ganz vorne mitfahren kann, wenn alles zusammenpasst.

Man sagt dir im Fahrerlager nach, dass du einer der fittesten Piloten überhaupt bist. Wie viel von deinem Erfolg schreibst du deiner körperlichen Vorbereitung zu?

Schon extrem viel. Ab einem bestimmten Level können eigentlich alle im Feld verdammt gut Motorrad fahren. Da geht es dann irgendwann nicht mehr ohne gezieltes körperliches Training weiter. Am Ende macht die Fitness dann oft diesen kleinen, aber entscheidenden Unterschied aus. Ich investiere viel Zeit in mein Training abseits der Strecke, weil ich weiß, dass mir das am Ende des Rennens die nötigen Reserven gibt.

Du startest für das Team KTM Sarholz, das eine riesige Tradition hat – gerade auch hier in Dortmund. Wie wichtig ist dieses professionelle Umfeld für dich?

Ich bin jetzt das vierte Jahr bei Sarholz und wirklich mega zufrieden. Alle im Team geben immer Vollgas für mich. Über die Jahre ist das Ganze für mich wie eine Familie geworden. Mein Mechaniker, Teamchef Andre und auch Burkhard sind immer dabei und unterstützen mich, wo sie nur können. Es ist einfach ein gutes Gefühl, Leute im Rücken zu haben, denen man zu einhundert Prozent vertrauen kann.

Der Wechsel von den weiten Outdoor-Strecken in die enge Supercross-Halle ist jedes Jahr eine enorme Umstellung. Wie viel Zeit konntest du in die spezifische Vorbereitung investieren?

Ehrlich gesagt war das alles relativ kurzfristig entschieden. Ich war insgesamt zehn Tage in Frankreich zur Vorbereitung, wovon wir natürlich nicht jeden Tag gefahren sind. Danach war ich noch zweimal in Mattstedt in der Halle. Wenn man es hochrechnet, kommt man beim Supercross ja nicht auf so viele Stunden auf dem Bike. Wenn es hochkommt, waren es vielleicht drei oder vier Stunden reine Fahrzeit. Das ist im Vergleich zum normalen Motocross-Training fast nichts.

Dafür lief es beim Auftakt in Stuttgart aber erstaunlich gut. Warst du selbst von deinem Speed überrascht?

Definitiv. Ich bin eigentlich völlig ohne Erwartungen nach Stuttgart gefahren, weil ich überhaupt nicht einschätzen konnte, wie ich im SX-Modus performen würde. Dass ich am Freitag dann direkt aufs Podium fahren konnte, war natürlich ein absolutes Highlight. In der Halle prasselt die Atmosphäre ganz anders auf dich ein als draußen, weil die Fans so nah dran sind. Das hat mich extrem gepusht.

In Dortmund steht nun ein Drei-Tages-Event an, was physisch noch einmal eine andere Hausnummer ist. Siehst du das als Vorteil für dich?

Ich hoffe es! Ich habe die letzten Wochen wirklich gut trainiert und fühle mich körperlich topfit. Drei Tage sind natürlich hart, aber am Ende sind die Bedingungen für jeden im Feld gleich. In Deutschland ist es wetterbedingt oft schwierig, Supercross zu trainieren, während die Jungs in Frankreich oder Spanien oft zehn Grad mehr und bessere Strecken haben. Aber wir haben das Beste daraus gemacht und ich freue mich riesig auf die Stimmung in der Westfalenhalle.

Beim Supercross wird oft gesagt, dass das Rennen im Kopf und im Waschbrett entschieden wird. Wie gehst du mit dem Risiko in der Halle um?

Beim Fahren denke ich eigentlich gar nicht so viel über Stürze nach. Passieren kann immer etwas, ob draußen oder drinnen. Aber ich muss zugeben: Das Waschbrett in Stuttgart war eine echte Herausforderung für mich. Das ist einfach etwas ganz anderes als alles, was man vom normalen Motocross kennt. Das kann man nur lernen, indem man immer wieder durchfährt. Da hatte ich in Stuttgart phasenweise wirklich ein bisschen Angst, abzufliegen. Das ist definitiv meine größte Schwäche, an der ich arbeite.

Mit welchen Zielen rollst du am Wochenende ans Gatter der Westfalenhalle?

Mein Ziel ist ganz klar: Ich will wieder aufs Podium. Nach dem Erfolg in Stuttgart weiß ich, dass es möglich ist. Jetzt zu sagen, ich will nur ins Finale kommen, ist mir zu wenig – das ist nicht mein Anspruch. Ich will Attacke fahren und den Fans eine gute Show bieten. Die Motivation durch die Zuschauer in Dortmund ist sowieso noch einmal ein ganz anderes Level.

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