In Dortmund richten sich die Blicke der deutschen Motorsport-Fans auf einen Namen: Spicy. Unter diesem markanten Pseudonym hat sich der großgewachsene Brandenburger Maximilian Spies in den letzten Jahren zum Aushängeschild und zur großen Hoffnung des deutschen Motocross entwickelt. Er blickt auf eine Saison 2025 zurück, die ihn endgültig in der Elite etabliert hat: Mit einem sensationellen dritten Gesamtrang im ADAC MX Masters – inklusive Sieg in Gaildorf – reist er mit viel Selbstvertrauen an.
Nach diesen nationalen Erfolgen folgte das internationale Highlight seiner Karriere: die Nominierung für das ‚Team Germany‘ beim Motocross of Nations in den USA. Dort kämpfte er Seite an Seite mit Weltstars wie Ken Roczen. Für ihn war das nicht nur die Erfüllung eines Kindheitstraums, sondern auch eine harte Schule für internationale Wettbewerbsfähigkeit. Diese Erfahrungen nutzt er nun, um sich auch in der Halle weiterzuentwickeln. Doch wer glaubt, dass Spicy den Supercross-Winter verbissen angeht, irrt. Für ihn ist die Jagd durch die engen Hallenkurse eine Herzensangelegenheit, die ihn technisch fordert und fit für die kommende Saison macht.
Technisches Fundament und der „Wahnsinn“ von Stuttgart
„Ich blicke auf eine wirklich gute Outdoorsaison mit konstanten Ergebnissen zurück, abgesehen von ein paar verletzungsbedingten Rückschlägen“, resümiert Spicy sein sportliches Jahr. Diese Beständigkeit bildet das Fundament für seine Wintermonate. Dabei betont er eine klare Trennung in seiner sportlichen Identität: „Supercross mache ich aus Freude am Sport und sehe mich nicht als reinen Profi, da ich eigentlich auf den großen Strecken draußen zu Hause bin.“ Supercross dient ihm als wertvolles Training, um technisch präziser zu werden, den Rhythmus zu schulen und den Kopf auch in der Winterpause frisch zu halten.
Seine technische Versiertheit kommt nicht von ungefähr. Spicy greift auf ein Fundament zurück, das weit vor seiner Zeit auf den schweren Motocross-Maschinen begann. „Ich habe einen BMX-Background und bin immer noch viel mit dem Fahrrad unterwegs, woraus ich mir viele technische Kniffe für die Strecke ziehe“, erklärt er. Dieses feine Gefühl für das Sportgerät hilft ihm, sich blitzschnell auf neue Bedingungen einzustellen – sei es im Supercross oder bei seinen neuen Ausflügen in die Weltmeisterschaft des SuperEnduro, bei der er seit 2025 ebenfalls am Start ist. Hier ist noch mehr Bikegefühl gefragt, um Hindernisse wie Baumstämme und Steine zu überwinden.
Dass Spicy dieses Potenzial auf hohem Niveau abrufen kann, bewies er beim Saisonauftakt im November in Stuttgart. Dort startete er auf einer KTM 450 SX-F in der Königsklasse SX1 und überraschte sich fast selbst. Die Vorbereitung war alles andere als optimal, da er vor dem Event nur zweieinhalb Trainingseinheiten absolvieren konnte. Trotz der fehlenden Routine fuhr er an beiden Abenden ins Finale und landete auf einem starken siebten Gesamtrang, womit er der erfolgreichste deutsche Fahrer im Feld war. „Ich habe mir keinen Kopf gemacht und bin einfach gefahren“, beschreibt er seine Herangehensweise. Inmitten der starken internationalen Konkurrenz vertraute er auf seine fahrerische Intuition: „Mit einer Portion Talent und vielleicht auch etwas Wahnsinn konnte ich dann doch ganz gut Speed aufbauen.“
Akribische Vorbereitung auf den Hexenkessel
Für das prestigeträchtige Drei-Tage-Event in der Westfalenhalle hat Spicy seine Vorbereitung intensiviert. Da die Intensität in Dortmund höher ist als bei den langen Outdoor-Läufen, standen über die Weihnachtsfeiertage spezielle Einheiten auf dem Programm. „Man muss sprinttechnisch absolut fit sein, weshalb ich über Weihnachten verstärkt solche intensiven Einheiten auf dem Sportplatz trainiert habe“, erläutert er seinen Plan. Es geht darum, die kurzen, knackigen Rennen über die volle Distanz mit höchster Konzentration durchzuhalten, um am Ende des Wochenendes gegen die internationale Konkurrenz bestehen zu können.
In der Westfalenhalle herrscht ein eigener Rhythmus. Wenn beim spektakulären Opening die Scheinwerfer die Arena in gleißendes Licht tauchen, saugt Spicy die Energie des Publikums auf und wandelt sie in Geschwindigkeit um. Er liebt die Show und den Kontakt zu den Menschen: „Ich schaue mir unheimlich gerne das Opening an, weil es mich pusht.“ Der Druck der hohen Erwartungshaltung ist für ihn kein Ballast, sondern ein Motor. Er weiß, dass er das Potenzial hat, auf das Podium zu fahren, wenn am Wochenende alles perfekt zusammenpasst.
Dortmund gilt als ‚Hexenkessel‘, und Spicy ist sich der besonderen Dynamik dieses Ortes bewusst. „Es ist atemberaubend zu sehen, wie die Stimmung eskalieren kann, wenn wir deutschen Fahrer eine gute Show abliefern“, schwärmt er. Die Fans glücklich zu machen, bedeutet ihm oft mehr als die sportliche Platzierung. „Die Begeisterung der Fans zu spüren, gibt mir so viel zurück – das ist wertvoller als jedes Preisgeld dieser Welt“, sagt Spicy bewegt. Er weiß, wie sich die Westfalenhalle anfühlt, wenn ein Lokalmatador vorne mitmischt und die gesamte Halle Kopf steht.
Fans, Stimmung und Adrenalin
Trotz seiner Ambitionen bewahrt sich Spicy eine gesunde Bescheidenheit gegenüber den reinen Supercross-Spezialisten. Er sieht die Rennen in Dortmund auch als Schule, um von den Piloten zu lernen, die das ganze Jahr über in den großen Hallen der Welt unterwegs sind. Doch wenn das Startgatter fällt, zählt für ihn nur der Moment. Er möchte den Fans in der Westfalenhalle das zurückgeben, was sie ihm an Unterstützung schenken: eine leidenschaftliche Performance und vollen Einsatz.
Die Marschrichtung für das Wochenende ist klar. Spicy blickt nicht nur auf seine eigenen Ziele, sondern freut sich über die positive Entwicklung der deutschen Supercross-Szene. „Es macht mich stolz zu sehen, dass wir als deutsche Fahrer mittlerweile so gut vertreten sind und den Rückstand zur internationalen Spitze immer weiter verkürzen können“, betont er. Gefragt nach seinem persönlichen Fazit, was diesen Ort für ihn ausmacht, findet Spicy klare Worte: „Dortmund ist für mich schlichtweg Fans, Stimmung und eine ordentliche Portion Adrenalin.“ Mit diesem Fokus ist er bereit, die Westfalenhalle erneut zum Beben zu bringen und vielleicht selbst für einen jener Gänsehaut-Momente zu sorgen, die Supercross-Geschichte schreiben.



