Die Westfalenhalle ist das Gedächtnis des deutschen Supercross. Wer hier punktet, schreibt sich in eine Chronik ein, die seit über vier Jahrzehnten die Elite des Sports führt. In diesem Jahr steht diese ‚ewige Bestenliste‘ vor einer historischen Zäsur: Das langjährige Denkmal von Florent Richier wackelt, während zwei Giganten der aktuellen Ära zum finalen Sprung auf den Thron ansetzen.
Ein Blick zurück verdeutlicht die verschiedenen Dekaden, die das Dortmunder Supercross geprägt haben. In den 90er-Jahren war es vor allem der US-Amerikaner „Mad Mike“ Jones, der mit seinem spektakulären Stil die Massen begeisterte. Mit insgesamt 296 Punkten und dem Titel ‚König von Dortmund# im Jahr 1994 setzte er Maßstäbe für die US-Dominanz jener Zeit. An der Schwelle zum neuen Jahrtausend folgte die Ära der Beständigkeit, personifiziert durch den Briten Warren Edwards. Obwohl ihm der große Titel des ‚Königs‘ verwehrt blieb, sammelte er durch beeindruckende Konstanz über Jahre hinweg 298 Punkte und rangiert damit bis heute auf einem starken vierten Platz der ewigen Tabelle.
In der darauffolgenden Dekade prägte Florent Richier das Geschehen wie kaum ein anderer. Mit Königstiteln in den Jahren 2011 und 2013 sowie insgesamt vier großen Erfolgen in der Statistik schraubte er sein Punktekonto auf die bisherige Rekordmarke von 405 Zählern. Lange Zeit schien dieser Wert unangreifbar, doch die aktuelle Generation hat das Tempo verschärft und steht nun unmittelbar vor der Wachablösung.
Cédric Soubeyras, der ‚König von Dortmund‘ des Jahres 2024, hat sich bis auf einen einzigen Punkt an Richier herangearbeitet. Mit aktuell 404 Zählern benötigt er am ersten Abend lediglich einen Punkt, um mit dem Spitzenreiter gleichzuziehen. Jeder weitere Zähler macht ihn zum erfolgreichsten Piloten, den diese Halle je gesehen hat. Dass Soubeyras diesen Meilenstein mit der Erfahrung aus drei großen Siegen ansteuert, unterstreicht seine Ausnahmestellung.
Flankiert wird diese Rekordjagd vom amtierenden ‚König von Dortmund‘: Greg Aranda. Nach seinem Triumph im Jahr 2025 und seinem ersten Titel im Jahr 2014 belegt er mit 370 Punkten zwar aktuell noch Rang drei der Punktewertung, führt jedoch in einer anderen entscheidenden Kategorie: Mit insgesamt fünf Einzelsiegen weist er die höchste Erfolgsquote der Spitzengruppe auf.



