Das 40-jährige Jubiläum war ein Meilenstein, der Geschichte schrieb, doch in der Westfalenhalle stehen die Räder niemals still. Wir befinden uns im ‚Jahr eins‘ nach dem großen runden Geburtstag – der Moment, in dem aus einer glorreichen Tradition die Zukunft wird. Wenn sich der Vorhang zur 41. Auflage des Supercross Dortmund hebt, ist die Erwartungshaltung so hoch wie nie zuvor. Wie bleibt man nach vier Jahrzehnten an der Spitze? Und was treibt die Macher an, wenn die Scheinwerfer für das nächste Kapitel angehen? Wir haben mit Jürgen Hieke, dem Sportvorstand des ADAC Westfalen, über den Puls der Veranstaltung, den Mut zur Erneuerung und das unvergleichliche ‚Dortmund-Gefühl‘ gesprochen.
Wir befinden uns in einer spannenden Phase: Das große 40-jährige Jubiläum liegt hinter uns, und wir starten nun offiziell in das ‚Jahr eins‘ danach. Das Supercross Dortmund ist eine absolute Institution. Was ist aus deiner Sicht das wahre Geheimnis hinter diesem dauerhaften Erfolg? Wie schafft man es, die Westfalenhalle auch nach vier Jahrzehnten, jetzt im 41. Jahr, jedes Mal aufs Neue zum Beben zu bringen?
Das Geheimnis liegt in der ständigen Herausforderung, sich neu zu erfinden, ohne die Wurzeln zu verlieren. Gerade jetzt, wo wir in das erste Jahr nach dem Jubiläum starten, spüren wir diesen Drang besonders. Die eigentliche Kunst dieser Veranstaltung ist die perfekte Mischung. Es geht nicht nur um den reinen Sport, sondern um ein Gesamtkunstwerk aus Show, Spektakel und Freestyle. Wir müssen diese „goldene Mischung“ finden, um wirklich alle Zielgruppen abzuholen – vom hartgesottenen Motorsport-Fan bis hin zu Familien, die einfach einen spektakulären Abend erleben wollen. Ein entscheidender Baustein ist dabei unser Opening: Wenn die Halle abgedunkelt wird und wir mit einer massiven Lasershow, Pyrotechnik und speziellen Licht-
effekten starten, dann ist das Publikum sofort auf Betriebstemperatur. Dieses Erfolgsmodell sorgt dafür, dass die Stimmung von der ersten Sekunde an elektrisierend ist – egal, ob es die 1. oder die 41. Auflage ist.
Das heißt, das Event strahlt weit über die klassische Motorsport-Blase hinaus?
Absolut. Wir sehen das jedes Jahr: Es kommen natürlich die Experten, aber eben auch sehr viele „Event-Begeisterte“. Für die ist das Supercross ein Gesamterlebnis. Es ist die Kombination aus der Enge der Halle, dem Geruch, dem Sound und der Show, die diesen speziellen ‚Dortmund-Vibe‘ ausmacht. Diese Mischung aus Sport und Event auf diesem Niveau zu halten und jetzt nach dem Jubiläum sogar noch eine Schippe draufzulegen, ist unser Anspruch.
Als Vorstand Sport beim ADAC Westfalen hast du viele Großveranstaltungen im Blick, etwa die DTM am Nürburgring. Welchen Stellenwert nimmt das Supercross in eurem Portfolio ein?
Das Supercross ist für uns eine Herzensangelegenheit und unser absolutes sportliches Aushängeschild. Während der ADAC allgemein oft mit der DTM oder der NLS am Nürburgring identifiziert wird, ist das Supercross Dortmund unsere ganz spezifische Heimveranstaltung. Die Westfalenhalle ist unsere Heimstätte. Ich ziehe da gerne den Vergleich zum Fußball: Was der Signal Iduna Park für Borussia Dortmund ist, ist die Westfalenhalle für uns als ADAC Westfalen. Hier sind wir zu Hause, hier ist unsere Zentrale, und die Identifikation der Region mit diesem Event ist riesig.
Wenn wir mal die offizielle Funktion beiseitelegen: Was verbindet dich ganz persönlich mit der Geschichte dieses Rennens, jetzt, wo wir das erste Jahr des nächsten Jahrzehnts einläuten?
Da schwingt extrem viel Herzblut mit. Ich war tatsächlich bei der allerersten Veranstaltung vor über 40 Jahren schon dabei. Ich habe hier quasi meine gesamte ‚Karriereleiter‘ absolviert – angefangen als kleiner Junge im Verkauf von Programmheften und Souvenirs, über die Arbeit in der Jugendgruppe und in der Organisation bis hin zu meiner heutigen Rolle im Vorstand. Ich habe jede Facette dieses Events von Kindesbeinen an erlebt. Für mich ist das Supercross ein bedeutender Teil meiner eigenen Lebensgeschichte, und ich freue mich riesig darauf, dieses nächste Kapitel jetzt aufzuschlagen.
In diesem Jahr blicken die Fans besonders gespannt auf die deutschen Starter. Mit Maxi Spies und Noah Ludwig haben wir zwei heiße Eisen im Feuer. Wie wichtig sind diese ‚Local Heroes‘ für die Halle?
Lokale Helden sind das Salz in der Suppe. Das haben wir schon in den Anfängen bei Fahrern wie Harald Ott gesehen – wenn ein deutscher Pilot gegen die internationale Konkurrenz besteht, dann peitscht das die Stimmung in der Halle massiv nach oben. Wenn die Zuschauer merken, dass ‚einer von uns‘ vorne mitmischt, wachsen die Fahrer oft über sich hinaus, getragen von diesem unglaublichen Flair und dem Lärm in der Westfalenhalle.
Die Logistik hinter dem Event ist legendär. Innerhalb weniger Tage wird eine Konzert- und Eventhalle in eine waschechte Offroad-Arena verwandelt. Wie sieht dieser Kraftakt hinter den Kulissen aus?
Das ist in der Tat eine logistische Meisterleistung, die minutiös geplant ist. Es geht in der Woche vor dem Event los: Die Halle muss komplett leer sein, ab Montag fahren die Lkw tonnenweise Lehmboden hinein. Dieser Boden muss modelliert werden, die Kurven, die Sprünge – das ist echte Millimeterarbeit. Bereits ab Samstag werden die Rigs für die Lichttechnik und die gesamte Pyrotechnik installiert. Alles ist exakt aufeinander abgestimmt. Und der Zeitdruck ist enorm: Sobald die letzte Maschine am Sonntag die Halle verlässt, beginnt schon wieder der Rückbau, weil direkt danach oft schon die nächste Produktion wie ‚Holiday on Ice‘ ansteht. Da darf kein Rädchen im Getriebe klemmen.
Ein großes Thema beim ADAC Westfalen ist die Nachwuchsförderung. Dortmund bietet mit den Kids Race SX4 und 5 sowie dem neuen ‚SX Next‘-Konzept eine riesige Bühne für junge Talente. Wie wichtig ist dieser Fokus für die Zukunft nach dem Jubiläum?
Ohne eine breite Basis im Nachwuchsbereich gibt es keinen Spitzensport – das ist meine feste Überzeugung. Wir betreiben beim ADAC Westfalen eine wirklich exorbitante Nachwuchsarbeit, egal ob in der Motocross Academy, im Kartsport oder ganz neu in der Road Racing Academy. Dortmund bietet den Kleinsten die Chance, einmal vor 10.000 Zuschauern in einer ausverkauften Halle zu fahren. Diese Eindrücke und diese Motivation nehmen die Kids für ihr ganzes Leben mit. Mit dem Konzept ‚SX Next‘, das wir gemeinsam mit Jan Deitenbach entwickelt haben, schaffen wir zudem eine gezielte Zwischenstufe, um deutschen Talenten den Weg in die Profi-Klassen zu ebnen. Das ist unsere Investition in die nächsten 40 Jahre.
Letzte Frage: Wenn am Freitagabend das Licht ausgeht, die ersten Bässe wummern und das Opening startet – ist das nach all den Jahren für dich Routine oder hast du noch immer Gänsehaut?
Ganz klar: Gänsehaut pur! Man kann noch so viele Generalproben machen und den Aufbau begleiten, aber wenn es dann am Freitag offiziell losgeht, die Pyrotechnik zündet und dann dieses ‚Hallo Dortmund!‘ durch das Mikrofon in die Halle schallt, dann kriegt man eine ‚Entenpelle‘. Dieser Moment, wenn die Energie der Zuschauer auf die Arena trifft, ist jedes Jahr aufs Neue absolut einzigartig und lässt niemanden kalt – erst recht nicht im ersten Jahr einer neuen Ära.



